|
|
|
|
|
|
|
|
|
GELIEBTE KATZE - 06/2001 Epilepsie bei Katzen Die Diagnose bei Epilepsie ist sehr schwierig. Die Therapie langwierig, sie muss oft ein Leben lang erfolgen. von Dr. med.vet. Petra Ziemer Über 50% aller Katzen mit Epilepsien leiden laut einer Studie nicht unter Krampfanfällen. Vielmehr äußert sich die Epilepsie bei diesen Tieren in untypischen Symptomen wie glasigem Blick, dem Schnappen nach z.B. eingebildeten Fliegen, Bewusstseinstrübung oder dem Zucken einzelner Muskeln. Der Bandbreite der unterschiedlichsten Symptome sind keine Grenzen gesetzt. Man nennt diese nicht klassischen Epilepsien mild generalisierte oder partiell komplexe Anfälle. Unter Epilepsie allgemein versteht man abnorme elektrische Entladungen in Teilen des Gehirns, man spricht auch von einem „Gewitter“ im Gehirn. Je nachdem wie sich die Entladungen ausbreiten, unterscheidet man generalisierte und partielle Anfälle. Der klassische generalisierte Anfall ist bei Katzen selten. Sein Verlauf ist dreigeteilt. Dreigeteilt heißt, es gibt Vorboten, die sich in Wesensveränderungen zeigen (Aura), darauf folgt der eigentliche Anfall (Grand mal), dem sich eine postiktale (Nachanfalls-) Phase anschließt. Beim Grand mal stürzt die Katze um, verliert das Bewusstsein und krampft. In dieser Phase beobachtet man außerdem Speicheln, Aufrichten der Haare, Abgang von Kot und Harn, Kau- und, Laufbewegungen. Der Anfall dauert meist zwischen einer halben und zwei Minuten. Nach einem Anfall können sich die Katzen normal verhalten, aber auch noch einige Stunden später unter Desorientiertheit, abnormem Hunger, Teilnahmslosigkeit, Müdigkeit, Bewegungsstörungen oder Aggressivität leiden. Gefahr des Status epilepticus Hört ein Krampfanfafl nicht auf bzw. gehen mehrere Krampfanfälle ineinander über, liegt der Iebensbedrohljche „Status epilepticus“ vor. Dieser kann sich aus allen Formen der Epilepsie entwickeln (partiell, generalisiert, krampfend, nichtkrampfend). Da man bei den oben erwähnten milde generalisierten Anfällen, wie sie bei Katzen häufig sind, nur Untypische Symptoine beobachtet, ist die Gefahr groß, den Status epilepticus zu übersehen. Liegt eine örtlich begrenzte Schädigung eines Gehirnareals vor, z.B. durch eine Verletzung, können einfache oder komplexe partielle Anfälle auftreten. Bei ersteren kommt es ohne Verlust des Bewusstseins zu Zuckungen und Krämpfen einzelner Muskelgruppen oder zum ruckartigen Biegen des Körpers zu einer Seite. Bei der komplexen Form können neben den Kontraktionen einzelner Muskelgruppen, Störungen der Oberflächensensibilität (z.B. Juckreiz), Bewusstseins- und Verhaltensveränderungen bzw. Halluzinationen vorliegen. Man beobachtet dann einen glasigen Blick, „Fliegenschnappen“, plötzliches Aufschrecken usw. Manchmal gehen solche Anfälle in die generalisierte Form über. Man unterscheidet zwischen der primären und der sekundären Epilepsie: Von einer primären Epilepsie spricht man, wenn keine organischen Veränderungen im Gehirn oder Stoffwechselstörungen vorliegen. Bei der sekundären Form sind Veränderungen im Gehirn oder Störungen außerhalb des Gehirns die Verursacher. Im Gehirn können Traumata, Tumoren, Durchblutungsstörungen im Gehirn, Hirnabszesse, Polyzythämia vera (eine Bluterkrankung), Hirnhautentzündungen, Infektionen (FIP, FeLV, FIV), ein angeborener Wasserkopf oder Toxoplasmose die Epilepsie auslösen. Ursachen außerhalb des Gehirns können Vergiftungen (z.B. Schneckenkorn, E 605, überdosierte Medikamente) sein. Aber auch Nieren- oder Leberschäden, Unterzuckerung, eine Störung des Elektrolythaushaltes oder ein Vitamin-B-Mangel (Thiamin) können zu epileptischen Anfällen führen. Erst wenn der Tierarzt all diese Ursachen ausgeschlossen hat, spricht man von einer primären Epilepsie. Was macht der Tierarzt? Ideal ist es für den Tierarzt, wenn Sie einen Anfall auf Video aufnehmen. Wichtig für ihn ist zu wissen, wann, wie oft und wie lange die Anfalle auftreten. Gründliche Allgemeinuntersuchung, Blutuntersuchung und neurologische Tests helfen dem Tierarzt, auf den Verursacher der Epilepsie zu stoßen. In Sonderfällen, z B bei Verdacht, auf Hirnhautentzündung, untersucht der Tierarzt außerdem das Hirnwasser (Liquorpunktion). Diagnosemethoden wie CT oder MRI können hilfreich sein, sind aber sehr teuer und nur bei Gehirnveränderungen von Nutzen. Ein EEG ist bei Katzen in der Regel nicht sinnvoll, da diese Untersuchung nur unter Beruhigungsmitteln durchzuführen ist, was das Untersuchungsergebnis verfälscht. Bleibt eine Epilepsie unbehandelt, besteht die Tendenz, dass die Anfälle mit der Zeit schlimmer werden und Schäden im Gehirn verursachen. Bei einer primären Epilepsie behandelt der Tierarzt mit Antiepileptika. Bei Katzen verwendet man meist Phenobarbital. Häufige Nebenwirkungen der Antiepileptika sind Dämpfung des Temperaments, die Stimulierung des Appetits und Leberschädigung. Doch es gelingt mit ihnen, die Anzahl und die Schwere der Anfälle zu mindern. Heilen können Antiepileptika allerdings nicht. Das Einstellen der Katze auf die richtige Medikation ist schwierig und erfordert viel Geduld. Der Gehalt des Medikaments im Blut muss immer wieder kontrolliert werden, um Überdosierungen zu vermeiden. In der Regel muss die Therapie lebenslang durchgeführt werden. Diazepam (Valium) wird in der Veterinärmedizin nur dann eingesetzt, wenn Phenobarbital nicht wirkt bzw. um einen akuten Anfall zu durchbrechen. Besitzer eines Epileptikers sollten daher Diazepam-Zäpfchen immer zur Hand haben. |
|
|
|
Weiterhin viel Spaß auf unseren Webseiten - 21.04.2007 - © rooster |
|
|