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GELIEBTE KATZE - 01/1998 Was tun, wenn Ihre Katze unter Epilepsie leidet? von Dr. med. vet. Thomas Görblich Leben mit oder trotz Epilepsie? • Das ist heute kein Problem mehr, vorausgesetzt, der Katzenhalter erkennt die Signale und hält sich an die vorgeschriebene Therapie • Eine Katze, die sich auf dem Boden rekelt, hat nicht gleich einen epileptischen Anfall. Wenn jedoch Speicheln, Muskelkrämpfe und Zuckungen hinzukommen, sollten Sie alarmiert sein.
Auf dem Weg von der Küche ins bleibt Mohrle wie angewurzelt stehen, starrt kurz auf die Tapete und fällt urplötzlich um. Er streckt alle Viere von sich, wird von Krämpfen geschüttelt und beginnt zu speicheln. Ruderbewegungen mit den Vorderpfoten schließen sich an. Erst nach einer guten Minute lassen die Krämpfe nach, er ist wieder ansprechbar und verhält sich normal: ein typischer epileptischer Anfall. Wenn Besitzer ihre Katze mit dieser Vorgeschichte beim Tierarzt präsentieren, kann dieser oft nichts Außergewöhnliches mehr feststellen. Denn epileptische Anfälle treffen die Katze meist aus heiterem Himmel und verschwinden ebenso geheimnisvoll, wie sie gekommen sind. Möglicherweise bleibt es bei einer einmaligen Episode, dann kommen Katze und Besitzer mit dem Schrecken davon. Wenn sich die Anfälle aber wiederholen oder länger andauern muss unbedingt etwas unternommen werden. Damit Sie im Falle eines Falles die Situation richtig einschätzen können, wollen wir Ihnen einige Informationen zu Epilepsie und anderen Anfallskrankheiten geben. Augenzeugen gesucht Meist erschrecken Katzenbesitzer zu Tode, wenn sie zum ersten Mal Zeuge eines epileptischen Anfalls ihrer Katze werden. Die Schüttelkrämpfe können sehr dramatisch aussehen, gerade bei so genannten generalisierten Anfällen, die den ganzen Körper erfassen. Dann müssen Sie verhindern, dass sich Ihre Katze verletzt. Manche Katzen gehen förmlich „in die Luft“ und prallen gegen Möbel und Wände. Wenn es Ihnen möglich ist, wickeln Sie die Katze in eine Decke (nicht zu fest) und legen Sie sie in die Mitte des Raumes, wo nichts auf sie herunterfallen kann. Seien Sie aber auch vorsichtig, und hüten Sie sich vor ausgefahrenen Krallen, damit Sie selbst keine Verletzungen davontragen. Beobachten Sie außerdem genau, was passiert kam Ihrem Tierarzt später wichtige Informationen geben, denn im allgemeinen wird dieser den Anfall nicht selbst beobachten können. Versuchen Sie, sich daran zu erinnern, was kurz zuvor passierte und ob irgend etwas Außergewöhnliches auftrat, das den Anfall ausgelöst haben könnte (zum Beispiel starke psychische Erregung). Achten Sie darauf, ob der ganze Körper Ihrer Katze beteiligt ist oder nur Teile davon, ob die Zuckungen symmetrisch verteilt sind oder eine Körperseite mehr betroffen ist, ob Speicheln, Kot- oder Harnabsatz hinzukommen und ob die Katze noch auf Sie reagiert, beispielsweise auf Zuruf. Nur selten ergibt sich die Möglichkeit, den Anfall zu filmen. Manche Katzen zeigen kurz zuvor ein sonderbares Verhalten, das man „Aura“ nennt. Bei wiederkehrenden Anfällen können Sie darauf achten und vielleicht einen bevorstehen den Anfall „erahnen“. Manche Katzen verkriechen sich dann, kratzen und geben Klagelaute von sich, wirken desorientiert oder können sogar aggressiv werden. Andere bleiben abrupt stehen, und die Pupillen erweitern sich, bevor der Anfall einsetzt. Je genauer Sie Ihrem Tierarzt den Anfall beschreiben, desto sicherer kann er mögliche Ursachen eingrenzen. Denn hinter einem Anfall können sich verschiedenste Erkrankungen verbergen. Dazu zählen Infektionskrankheiten, Stoffwechselstörungen und Krankheiten der inneren Organe wie Leber, Herz oder Niere. All diese Ursachen können sich auf das Gehirn auswirken, wo die epileptischen Anfälle entstehen. In solchen Fällen muss natürlich die Grundkrankheit behandelt werden. Eine „antiepileptische Therapie“ würde den Krankheitsverlauf nur verschleiern und nicht mehr anschlagen, sobald das Grundübel weiter fortgeschritten ist. Vergiftungen können ebenfalls Anfälle auslösen, kommen aber bei weitem nicht so häufig vor, wie vermutet wird. Hier sind vor allem Blei, Quecksilber und Organophosphate (in Pflanzenschutzmitteln und Insektiziden) gefährlich. Anfälle mit Speicheln können auch bei Tollwut auftreten, obwohl diese extrem selten ist. Sie sparen sich aber möglicherweise viel Arger, wenn Ihre Katze bei einem Anfall einen Impfschutz gegen Tollwut besitzt - ein Grund, die jährliche Auffrischung nicht zu vernachlässigen. Anders als beim Hund ist bei der Katze die echte oder „primäre“ Epilepsie selten, die direkt im Gehirn ihren Ursprung nimmt. Meistens steckt etwas anderes dahinter. Deshalb ist es wichtig, dass Sie Ihrem Tierarzt die Möglichkeit geben, nach anderen Ursachen zu fahnden. Das kann mitunter langwierig und teuer sein, da je nach Einzelfall aufwendige Blutuntersuchungen, Röntgen und Ultraschall notwendig werden. Es kann auch erforderlich sein, Ihre Katze in einer Spezialpraxis für Neurologie vorzustellen. Wie man weiter vorgeht, wird von der Häufigkeit und Schwere der Anfälle abhängen. Viele Katzen erleben nur ein einziges Mal in ihrem Leben einen Anfall bzw. einzelnen Anfällen liegen jahrelange anfallsfreie Perioden. Dann erübrigen sich meistens weitere Schritte, auch eine ausgefeilte Diagnostik ist dann sicher entbehrlich Wenn sich die Anfälle jedoch häufen, müssen Sie natürlich etwas unternehmen. Denn unbehandelt können diese immer heftiger werden, kürzer aufeinander folgen und schließlich in den gefürchteten „Status epilepticus“ übergehen: Darunter versteht man einen Daueranfall ohne zwischenzeitliche Erholung, der unbehandelt rasch zum Tod führt. Schlafmittel helfen Um dies zu verhindern, dämpft man die Nervenzellen des Gehirns mit Beruhigungsmitteln, wie sie auch in manchen Schlaftabletten für den Menschen vorkommen. Diese Wirkstoffe aus der Gruppe der Barbiturate und Benzodiazepine werden von der Katze sehr gut vertragen. Auf Dauer wird dadurch der Erregungszustand der Nervenzellen irr Gehirn herabgesetzt, was die Anfälle abschwächt oder ganz verschwinden lässt. Denn die primäre Epilepsie entsteht durch eine Überaktivität von Nervenzellen. Normalerweise verkraftet das Gehirn problemlos eine überschießende Aktivität einzelne Zellen: Die hemmenden Einflüsse umgebender Nerven lassen den „Funken“ nicht au größere Bereiche des Gehirns überspringen. Anders bei Epilepsie: Hier kann sich ein so genannter „epileptischer Focus“ bilden, ein kleiner Bereich, in dem mehrere Nervenzellen in schneller Folge Signale geben (siehe nebenstehende Abbildung). Wenn sich die Signale zu ausreichender Intensität „auf schaukeln“, kann sich die Erregung über das ganze Gehirn ausbreiten. Das bewirkt der „generalisierten“ epileptischen Anfall, der den ganzen Körper erfasst. Bleibt die Erregung auf bestimmte Areale des Gehirns beschränkt, können auch einzelne Muskelgruppen betroffen sein. Man spricht dann von einem lokalisierten oder „partiellen“ Anfall. Sollte sich das Anfallsleiden als ein Fall von echter Epilepsie erweisen, kann nur eine lebenslange Medikamentengabe Abhilfe schaffen. Nicht alle Katzen sprechen darauf gleich gut an: Etwa ein Viertel der Katzen kann dadurch komplett geheilt werden, bei einem Fünftel der Patienten erreicht man gar nichts. Bei den restlichen Katzen lasser sich immerhin Anfallshäufigkeit und -schwere auf ein „erträgliches“ Maß senken. Die Medikamente, die dafür eingesetzt werden, dämpfen nicht nur die hyperaktiver Nervenzellen, sondern das ganze Gehirn. Daher können sie anfangs bei der Katze zu Müdigkeit und Unlust führen. Manche bekommen auch mehr Hunger oder Durst. In allgemeinen klingen diese Nebenwirkungen aber nach einigen Wochen ab, und die Tiere vertragen die tägliche Tablettengabe sehr gut. Schlecht vertragen sie hingegen, wenn die Tabletten nicht regelmäßig gegeben wer den. Das kann sehr starke Anfälle provozieren. Gleiches gilt für eigenmächtige Dosierungsänderungen des Besitzers, auch dann kann die Katze sehr stark reagieren Halten Sie also Rücksprache mit Ihrem Tierarzt, wenn Sie das Gefühl haben, die Dosis stimmt nicht mehr. Das kann der Fall sein, wenn Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder ähnliches stärker werden. Wie bei den meisten Dauertherapien sollte auch im Fall eine antiepileptischen Behandlung immer wieder einmal die Leber überprüft werden schließlich muss sie die Wirkstoffe abbauen. Gelegentlich beeinflussen andere Medikamente die Wirksamkeit der Dauertherapie. Stress oder das Auftreten einer weiteren Erkrankung können ebenfalls neue Anfälle provozieren. Das heißt nicht, dass Sie Ihre epileptische Katze nur mit Samthandschuhen anfassen dürfen. Aber Sie sollten sich darüber im klaren sein, dass der empfindliche Gleichgewichtszustand im Gehirn Ihres Tieres durch äußere Umstände beeinflusst werden kann. Dazu zählen alle Veränderungen in der täglichen Routine der Katze, wie etwa Reisen, die Hinzunahme eines neuen Haustieres oder ein Umzug. Zur Überprüfung der richtigen Dosis kann es nötig sein, regelmäßig im Blut Ihrer Katze die Mengen des Epilepsie-Medikamentes zu bestimmen. Das ist der sicherste Weg, um einen stabilen Wirkstoffspiegel zu gewährleisten. Nur wenn Ihre Katze eine ausreichend lange Zeit ohne Anfälle blieb, kann versucht werden, die Dosis ganz langsam zu reduzieren, auch das selbstverständlich nur in Absprache mit Ihrem Tierarzt. Tipps fürs Pillen geben Die Tabletten legen Sie am besten ganz hinten auf die Zunge Ihrer Katze ab, schließen ihr das Maul und streichen sanft vom Kinn zum Kehlkopf. Nachdem Sie geschluckt hat, sollten Sie sie noch einige Zeit beobachten oder ihr ins Maul sehen - Katzen sind wahre Meister im Tabletten-Wiederausspucken. Wenden Sie aber möglichst wenig Zwang an, denn dann kann es sein, dass Ihre Katze von Tag zu Tag unkooperativer wird. Damit die tägliche Pillenkost nicht in Kampfhandlungen ausartet, sollten Sie versuchen, die Prozedur für die Katze mit etwas Positivem zu verbinden, etwa der Gabe besonders schmackhaften Futters oder einigen Streicheleinheiten. Sehr gut eignen sich auch Tabletteneingeber, mit denen Sie gleichzeitig etwas Flüssigkeit dazugeben können. Das löst den natürlichen Schluckreflex ganz von selbst aus. Die Katze lässt sich gut an das Gerät gewöhnen, wenn man es ab und zu mit etwas Wohlschmeckendem füllt, etwa verdünnter Vitaminpaste, und ohne Tablette einsetzt. Zusätzlich bietet sich der Einsatz homöopathischer Mittel an, die dauerhaft gegeben werden können. Bewährt haben sich Kombinationspräparate mit Bufo sowie Verdünnungen von Metallen wie Zink, Kupfer und Magnesium. Doch hier muss ein Fachmann die Behandlung auf den jeweiligen Fall abstimmen. Wenden Sie sich an einen Tierarzt, der in Naturheilverfahren bewandert ist oder die Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ führt. Durch eine genaue Untersuchung kann Ihr Tierarzt die vielen Ursachen eingrenzen, die für einen Anfall in Frage kommen. Gelegentlich sind neurologische Spezialtests nötig. So entsteht ein Anfall 1. Eine oder mehrere Nervenzellen sind dauerhaft erregt und bilden den „epileptischen Focus“. 2. Die Erregung breitet sich über das Gehirn aus. 3. Rückenmark und Nerven verteilen die starken Signale im ganzen Körper und bewirken Muskelkrämpfe, Speicheln und Harnabsatz. Der „typische“ Anfall Ihre Katze fällt aus heiterem Himmel um, streckt Hals und Beine krampfartig von sich und ist nicht mehr ansprechbar. Kurz darauf beginnt ein deutliches Zittern, das in rhythmische Krämpfe und ruderartige Bewegungen übergeht. Oft bildet sich Schaum vor dem Mund, und die Katze setzt Harn und Kot ab. Charakteristisch ist das urplötzliche Einsetzen der Krämpfe. Gelegentlich bemerken Besitzer eine so genannte „Aura“: ein Vorstadium mit Klagelauten und sonderbarem Verhalten wie Verkriechen, Kratzen oder Orientierungslosigkeit. Sofortmaßnahmen bei einem Anfall Wichtig ist, die Ruhe zu bewahren und zu vermeiden, dass sich das Tier während eines Anfalls verletzt, etwa durch herab fallende Gegenstände. Dauern Krämpfe und Bewusstlosigkeit länger als zwei Minuten an, liegt ein lebensbedrohlicher Notfall vor. Dann sollten Sie sofort Ihren Tierarzt verständigen und sich auf den Weg machen. Die meisten Anfälle klingen jedoch von selbst ab, bevor Sie einen Tierarzt erreichen. Lassen Sie Ihre Katze trotzdem baldmöglichst untersuchen. Was Sie bei der Therapie beachten sollten • Entscheidend bei einer Dauerbehandlung ist, dass Sie Tabletten gegen Epilepsie regelmäßig geben. • Anfangs können die Medikamente Ihre Katze etwas schläfrig machen, manchmal hat sie auch mehr Durst oder Appetit. Meistens klingen diese anfänglichen Nebenwirkungen aber bald ab. • Andern Sie nicht eigenmächtig die Dosierung, ohne Rücksprache mit Ihrem Tierarzt zu halten. Starke Anfälle können die Folge sein. • Sie sollten Ihre Katze regelmäßig (zweimal jährlich) beim Tierarzt untersuchen lassen. Dabei kann auch eine Bestimmung der Wirkstoffkonzentration im Blut erfolgen. Eine lebenslange Tablettengabe ist oft die einzige Möglichkeit, epileptische Katzen zu „heilen“. Wenn es mit der Hand nicht klappt, gibt es Eingabehilfen für die Tabletten. |
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Weiterhin viel Spaß auf unseren Webseiten - 21.04.2007 - © rooster |
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