DR. MIAU UND PROF. WUFF

TREFFPUNKT SPARKASSE - 49. Jahrgang Nr. 3 - Mai/Juni 2002

Tiere sind wichtige Helfer für den Menschen. Dass sie auch Medizin für Körper und Seele sein können, wurde uns in den letzten Jahren bewusster. TREFFPUNKT  SPARKASSE stellt vor, in welchen Bereichen Tiere als Therapeuten tätig sind.

von Eva Carl

IMMER WIEDER: TIERE

Schon in der Antike und im Mittelalter wusste man: Wesen mit Fell, Flossen, Hufen oder Flügeln können helfen, Krank­heiten zu heilen, Behinderungen zu er­leichtern und Leid zu lindern. In jüngs­ter Zeit entdecken wir dieses Wissen wieder. Verschiedene Therapien mit Tieren machen Schlagzeilen, andere verbrei­ten sich fast unbemerkt. Vielen gemein­sam ist, dass man nicht in Zahlen fassen kann, warum und wie sie helfen, und das ist unserer hoch technisierten Welt oft ein bisschen unheimlich. Doch viele wis­senschaftliche Studien belegen inzwischen den Erfolg von Therapien mit Tieren. Haustiere teilen ihre menschlichen Spielgefährten nicht in Kategorien wie häss­lich oder schön, klug oder dumm, alt oder jung ein. Wer eine Beziehung zu ihnen aufbaut, fühlt sich als ganze Per­son angenommen, sagen Psychologen. Begegnungen mit Tieren scheinen auf Kranke oft als Motor zu wirken, sie durchbrechen die Isolation. Skeptiker werden die Gefahr von Tierhaar-Allergi­en dagegen halten oder nicht artgerechte Tierhaltung oder die Missachtung der Bedürfnisse der Tiere anführen. Fakt aber ist, wie der Verein „Tiere helfen Menschen“ es formuliert: „Der unkomplizierte Kontakt zu einem Tier, die Für­sorge für ein Lebewesen mit dem Ge­fühl, gebraucht zu werden, die Lebensfreude und die nicht an Bedingungen geknüpfte Liebe des Tieres geben vielen Menschen den Mut wieder, ihr Leben aktiv und zuversichtlich in die Hand zu nehmen.“

GESUNDHEITSPROGRAMM HAUSTIER

Egal ob alt oder jung, krank oder gesund, allein oder in der Familie: Haustiere wirken sich positiv auf die körperliche und seelische Gesundheit des Menschen aus. Voraussetzung dafür ist, dass die Tiere als Bereicherung und nicht als Belastung empfunden und von allen Haushaltsmitgliedern akzeptiert werden. Dann bauen sie Stress ab, stärken damit das Immunsystem und beugen so Krankheiten vor. Wenn man ein Tier streichelt, sinken Blutdruck und Herzfrequenz, was für den gesamten Komplex der Herz-Kreislauf-Erkrankungen positiv ist. Wer mit seinem Hund spazieren geht, bringt den Kreislauf in Schwung, kräftigt die Muskeln und senkt den Blutzuckerspiegel. Kinder lernen Verantwortung zu übernehmen und finden wie ältere Men­schen Ablenkung und die Möglichkeit, das Bedürfnis nach körperlicher Nähe auszuleben.

IN ALTEN- UND IN KINDERHEIMEN

Nicht nur körperlich und geistig behin­derten Kindern können Tiere helfen, Selbstvertrauen zu finden, das Körpergefühl zu stärken und soziales Verhalten zu erlernen. Auch in vielen Kinderheimen ist man inzwischen froh über die Besuche von Organisationen wie „Tiere helfen Menschen e.V.“, die mit Hunden oder Katzen regelmäßig zu den Kindern kommen, mit ihnen spazieren gehen oder spielen. Die positive Wirkung von Tieren auf Körper und Seele hat man auch in vielen Altenheimen schätzen gelernt. Von Tier-Visiten bis zu regelrechten Tier-Heimen geht die Bandbreite in­zwischen. In Westfalen leben in einem ehemaligen Bauernhof 300 größtenteils ältere oder missbrauchte Tiere, die von den 35 Rentnern versorgt werden, die hier ihren Lebensabend verbringen. Das Konzept ist erfolgreich: Die Bewohner schlucken weniger Medikamente als in anderen Einrichtungen, das Gefühl ab­geschoben und nicht mehr gebraucht zu werden, kommt hier nicht auf. Im „Ge­riatriezentrum am Wienerwald“, das neben seinen menschlichen Bewohnern Hunde, Katzen, Vögel, Fische und Kaninchen beherbergt, sollen die Tiere den menschlichen Kontakt nicht ersetzen, sie sind vielmehr Co-Therapeuten und Katalysatoren. Eine amerikanische Studie ergab eine Einsparung an Medikamenten von fast vier Euro pro Tag und Patient in Alten- und Pflegeheimen, die auch Tiere beherbergen.

TIERE IM VOLLZUG

In einigen Gefängnissen rund um den Globus wird versucht, den Gefangenen mit Tieren den Vollzug zu erleichtern und sie auf ein besseres Leben in Freiheit vorzubereiten. Besonders für jugendliche Straftäter kann dies den Rückweg aus der Sackgasse von Gewalt, Wut und Angst bedeuten. In „Green Chimneys“ in den USA lernen kriminelle, aggressi­ve, misshandelte, missbrauchte und verwahrloste Ghetto-Kinder von und mit den Tieren, Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen. Die Tiere ma­chen den Kindern klar, dass sich das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Zuneigung und Liebe ein Stück weit stillen lässt, wenn man selbst fürsorglich ist. Auch in der Jugendarrestanstalt Vechta ist man dankbar für die positiven Reaktionen der meisten jungen Straftäter auf die 600 Tiere, die hier leben. Die sinnvolle Aufgabe, die Tiere zu pflegen, die Möglichkeit, sie zu streicheln und mit ihnen oder über sie zu reden, baut Aggressionen ab und schafft Offenheit.

DAS PFERD ALS THERAPEUTEN

Therapeutisches Reiten wird seit Jahrzehnten mit Erfolg bei Spastikern, nach Schlaganfällen und bei multipler Sklerose angewendet. Es schult den Gleichgewichtssinn, macht verkrampfte Muskulatur locker und gibt Selbstvertrauen. In den letzten Jahren hat sich bei geistig behin­derten, lernbehinderten oder verhaltens-auffälligen Kindern der Umgang mit Pferden sowie heilpädagogisches Reiten und Voltigieren in vielfacher Weise bewährt. So setzt zum Beispiel das „Pferdeprojekt“ der Freien Universität Berlin die sanften Vierbeiner erfolgreich in der ambulanten psychologischen Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen mit Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsbehinderung ein. Kinder, die unter Autismus, starken emotionalen Störungen, psychosomatischen Beschwerden oder neurotischen Störungen leiden, finden über den Kontakt mit den Pferden wieder zurück zu den Menschen.

SCHWIMMENDE HELFER: DELFINE

Zum ersten Mal gelacht, erste Worte von sich gegeben, zum ersten Mal seit langer Zeit unverkrampft bewegt. Man will mit Hilfe der Delfine einen Durchbruch er­reichen. Spastische Gliedmaßen lockern, Worte oder Reaktionen von Autisten auf die Umwelt hervorlocken oder die Aufmerksamkeit von Hirngeschädigten fokussieren. Zur Belohnung dürfen dann die Tiere gestreichelt werden. Vor allem in USA wird die Delfin-Therapie prakti­ziert. Ihr Erfolg ist unbestritten, die Methode allerdings nicht. Kritiker sind der Ansicht, dass man mit anderen Tieren. Ähnliches erreichen könne und deshalb nicht die sensiblen, hochintelligenten Meeressäuger gefangen halten müsse.

HUNDE: NICHT NUR FÜR BLINDE

Viele Sehbehinderte und Epileptiker können sich ein Leben ohne Hund gar nicht mehr vorstellen. Den Blinden helfen die Tiere nicht nur bei der Bewältigung der alltäglichen Aufgaben, sie erleichtern auch den Kontakt zu Mitmenschen, denn über das Thema Hund kommt man schnell in ein Gespräch. Epileptikern zeigen speziell ausgebildete Hunde einen Anfall an, bevor er sich ereignet. Der Kranke kann dann entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Woran die Hunde erkennen können, dass sich ein Anfall anbahnt, weiß man nicht. In den USA sind Epileptiker-Hunde bereits weit verbreitet.

 

Weiterhin viel Spaß auf unseren Webseiten - 21.04.2007 - © rooster

 

| zurück | zurück zur Übersicht | zurück zum Seitenanfang |