FELDSTUDIE

ZUR VEGETARISCHEN ERNÄHRUNG

 VON HUNDEN UND KATZEN

von Radka Engelhard

In der vorliegenden Arbeit wurden Besitzer vegetarisch ernährter Hunde und Katzen (54 Besitzer von Hunden, 5 von Katzen, 86 Hunde, 8 Katzen) zur Fütterung ihrer Tiere interviewt. Es wurden sowohl die Beweggründe für die vegetarische Ernährung als auch die verwendeten Futtermittel sowie die Fütterungstechnik und Rationsgestaltung mittels eines standardisierten Fragebogens erfragt.

Anschließend erfolgte die Berechnung der Rationen für 66 adulte Hunde (11 % lactoovovegetarisch, 47 % lactovegetarisch, 29 % vegan, 13 % semivegetarisch mit nicht rein vegetarischen Ergänzungsfuttern), für 8 vegane Welpen eines Wurfs sowie für alle 8 Katzen. Außerdem wurden Daten zu Erkrankungen der Tiere erhoben, eine klinische Untersuchung vor Ort durchgeführt und in einem Teil der Fälle Blut- und Harnproben entnommen. Zusätzlich wurden kommerzielle vegetarische Alleinfuttermittel auf ihre Eignung überprüft.

1. Als Hauptbeweggrund der Teilnehmer stellte sich das ethisch-religiöse Motiv, dass der Mensch kein Recht habe, Tiere zur Fleischgewinnung zu töten, in den Vordergrund, gefolgt von der Vorstellung, dass die Produkte der modernen Fleischherstellung gesundheitliche Risiken bergen.

2. Die Versorgung mit Protein fiel bei mehr als der Hälfte der adulten Hunde zu gering aus, häufig wurde außerdem eine zu niedrige Aufnahme an S-haltigen Aminosäuren festgestellt.

Trotzdem lagen alle überprüften Plasmaparameter zur Proteinversorgung (Gesamteiweiß, Albumin, Harnstoff) innerhalb des Referenzbereichs.

3. Die für hausgemachte Rationen typischen Fehler bei der Mengenelementversorgung traten auch bei den vegetarischen Hunden auf.

Der Calcium-Bedarf wurde bei 62 % der Hunde nicht gedeckt und der Phosphor-Bedarf nur etwa bei der Hälfte der Hunde. Ein unausgeglichenes Ca/P-Verhältnis kam entsprechend häufig zustande. Außerdem wurden 73 % der Hunde mit Natrium nicht ausreichend versorgt.

4. Bei den Spurenelementen war die Versorgung mit Eisen, Kupfer, Zink und Jod in vielen Fällen nicht ausreichend. Die Gehalte an Eisen, Kupfer und Zink im Plasma lagen zu einem entsprechend hohen Anteil unterhalb des Referenzbereichs, wobei allerdings keine klaren Beziehungen zwischen der Aufnahme und dem Plasmagehalt bestand.

5. Bei den Vitaminen erwies sich die Vitamin D-Zufuhr vor allem bei veganen Rationen häufig als nicht ausreichend. Auch hier wurden reduzierte Plasmagehalte von 25-OH-Vitamin D festgestellt, die jedoch keine straffe Beziehung zur Vitamin D-Aufnahme erkennen ließen. Bei der Vitamin B12-Aufnahme kam es bei 56 % der Hunde zu einer mangelhaften Versorgung. Außerdem war Pantothensäure häufig marginal.

6. Bei den adulten Hunden traten trotz teilweise unzureichender Nährstoffversorgung keine klinischen Mangelerscheinungen auf.

7. Die veganen Welpen im Alter von 8 Wochen wiesen zu diesem Zeitpunkt nur etwa die Hälfte des erwarteten Körpergewichts auf.

Das Protein/Energieverhältnis lag mit  9,9 vRp ?g? / DE ?MJ? unterhalb der Empfehlungen für Welpen dieses Alters. Außerdem fehlte Jod in der Ration. Die übrigen Nährstoffe wurden über geeignete Supplemente ausreichend zugeführt.

8. Neben den tatsächlich vegetarisch ernährten 8 Katzen von 5 Besitzern, die an der Studie teilnahmen, meldeten sich noch weitere Katzenhalter, die bereits bei der Durchführung einer vegetarischen Ernährung an Akzeptanzproblemen gescheitert waren.

9. Die Proteinaufnahme lag bei den Katzen nicht wesentlich unterhalb des Bedarfs, allerdings war die Versorgung mit S-haltigen Aminosäuren oft nicht ausreichend. Der Taurinbedarf wurde bei keiner Katze gedeckt, obwohl taurinhaltige Ergänzungsfutter eingesetzt wurden. Bei den Mengen- und Spurenelementen, beim Vitamin D3 und B12 traten im wesentlichen dieselben Engpässe wie bei den Hunden auf. Beim Vitamin D3 wurde in einigen Fällen auch eine Überversorgung festgestellt. Außerdem war die Vitamin A-Zufuhr bei allen Katzen nicht ausreichend. Arachidonsäure wurde nur bei zwei Katzen in ausreichender Menge zugeführt.

10. An gesundheitlichen Störungen wurden bei einer Katze eine Retinaathrophie sowie bei zwei Katzen eine reduzierte Häufigkeit des Östrus vorberichtlich genannt.

11. Bei den vegetarischen Alleinfuttermitteln war der Mineralstoff- und Vitamingehalt häufig nicht optimal auf den Bedarf der Hunde eingestellt. Nur zwei von zwölf Produkten können uneingeschränkt empfohlen werden und zwei wiesen geringe Mängel auf.

Wie alle hausgemachten Rationen sollten vegetarische Rezepte sorgfältig bilanziert werden. Weder bei Hunden noch bei Katzen sollte auf Supplemente verzichtet oder diese aufs Geratewohl eingesetzt werden. Sofern bei Katzen die Besonderheiten ihres Nährstoffbedarfs sowie der Nahrungsprägung berücksichtigt werden, ist eine vegetarische Ernährung akzeptabel, andernfalls ist sie tierschutzrelevant.

 

Weiterhin viel Spaß auf unseren Webseiten - 21.04.2007 - © rooster

 

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