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LEBENDE TIERWELT – Tierärztlicher Ratgeber für Tierfreunde - 02/2000 Ein bösartiger Tumor. Neuer Therapieansatz in der Erprobung. Interview mit dem Leiter der Studie, Prof. Dr. Hirschberger. von Dr. med. vet. Gisela Johanssen „Meine Katze hat auf der linken Seite schon seit längerer Zeit eine ‚komische Beule‘. Es tut ihr überhaupt nicht weh, wenn man sie da streichelt, und sie ist auch ganz munter, aber jetzt wird das Ding immer größer. Mit diesen Worten wird Katze Molli von ihrer Besitzerin in der Tierarztpraxis vorgestellt - ein häufiger Vorbericht von Katzen mit einem so genannten Fibrosarkom. Was ist ein Fibrosarkom? Unter diesem medizinischen Fachbegriff versteht man einen bösartigen Tumor, der von Bindegewebs- oder ähnlichen Zellen ausgeht. Ein Fibrosarkom kann deshalb an unterschiedlichen Stellen des Körpers auftreten. Bei der Katze findet es sich meist an der seitlichen Brustwand oder im Rücken- und Nackenbereich (s. Abb. rechts oben). Zunächst tastet man unter der Haut eine rundliche, derbe und verschiebliche Umfangsvermehrung. Aufgrund seines verzweigten Wachstums, vergleichbar mit den Wurzeln eines Baumes, kommt es mit zunehmender Größe des Fibrosarkoms häufig zur Einwanderung in die darunter gelegene Muskulatur, so dass sich der Tumor nicht mehr verschieben lässt. Meist merkt man den Katzen erst dann etwas an, weil die Umfangsvermehrung bei der Bewegung Zug auf die Muskulatur ausübt. Unbehandelt kann das Fibrosarkom beträchtliche Ausmaße erreichen. Die Entstehung des Fibrosarkoms Für die Entwicklung eines Tumors lassen sich grundsätzlich mehrere Faktoren verantwortlich machen wie zum Beispiel ein in seiner Funktion beeinträchtigtes Immunsystem. Die oben beschriebenen Lokalisationen des Fibrosarkoms bei der Katze sind Körperstellen, an denen üblicherweise Injektionen erfolgen. Neuere Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass ein Zusammenhang zwischen Impfungen und der Entstehung des Fibrosarkoms besteht. Als Auslöser des Tumors gelten dabei im Impfstoff vorhandene Hilfsstoffe (siehe dazu Kasten unten). Vor allem häufige Impfungen und die gleichzeitige Verabreichung mehrerer Impfstoffe sollen die Tumorwahrscheinlichkeit erhöhen. Nach Angaben von Prof. Lutz von der Universität Zürich ist damit zu rechnen, dass jährlich etwa eine bis drei von 3000 regelmäßig geimpften Katzen an einem Fibrosarkom erkrankt, amerikanische Untersucher nennen das Verhältnis von 1:10000. Bei dieser geringen Zahl muss man den Wert des Impfschutzes höher bewerten als das im Verhältnis selten auftretende Fibrosarkom. Anzuraten ist jedoch nach Prof. Lutz ein den Lebensumständen der Katze angepasstes Impfprogramm, das Tierarzt und Tierbesitzer im Einzelfall gemeinsam festlegen sollten. So hat eine freilaufende Katze mit zahlreichen Kontaktmöglichkeiten zu Artgenossen ein weit höheres Ansteckungsrisiko für Infektionskrankheiten als ein reiner „Stubentiger“ und sollte deshalb regelmäßige Schutzimpfungen erhalten. Bei ausschließlich in der Wohnung gehaltenen Katzen ist jedoch an die erhöhte Infektionsgefahr beim Aufenthalt in Katzenpensionen während des Urlaubs zu denken und im Impfprogramm zu berücksichtigen. Therapeutische Möglichkeiten Die Aussichten auf Heilung sind beim Fibrosarkom um so größer, je frühzeitiger es operativ entfernt wird. Katzen mit einer verdächtigen Umfangsvermehrung, vor allem dann, wenn diese kurz nach einer Impfung aufgetreten ist, sollten deshalb baldmöglichst dem Tierarzt vorgestellt werden. Kennzeichen bösartiger Tumoren sind ihre Neigung, Tochtergeschwülste zu bilden (Metastasierung) und nach einer chirurgischen Entfernung erneut zu wachsen (Rezidivierung). Während es beim Fibrosarkom nur selten zur Entstehung von Tochtergeschwülsten kommt, ist seine Rezidivrate äußerst hoch. Viele operierte Katzen weisen schon wenige Monate nach dem Eingriff wieder ein Fibrosarkom an der gleichen Stelle auf. Die Wahrscheinlichkeit hierfür steigt mit der Größe des Tumors und ist auch dann gegeben, wenn die Geschwulst vollständig entfernt wurde. Das Risiko eines Rezidivs liegt bei annähernd 70 %. Alternative bzw. zusätzliche Behandlungsmethoden standen bisher nicht zur Verfügung, da der Tumor au! eine Chemotherapie, die bei anderen Tumoren Erfolge zeigt, praktisch nicht anspricht. Ein neuer Therapieansatz, der zur Zeit an der 1. Medizinischen Tierklinik der Universität München erprobt wird, setzt auf die Gentherapie. Verantwortlicher Leiter dieser Studie ist Prof. Dr. Johannes Hirschberger, mit dem wir das folgende Interview geführt haben. |
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Interview Lebendige Tierwelt (LT): „Herr Prof. Hirschberger, bitte erklären Sie uns den Grundgedanken der Gentherapie.“ Prof. Hirschberger: „Gentherapie schließt sich an die chirurgische Entfernung des Tumors an. Mit ihrer Hilfe soll das körpereigene Immunsystem in die Lage versetzt werden, die noch verbliebenen Tumorzellen zu beseitigen. Dazu erhält der Patient an den Tagen nach der Operation Injektionen direkt an der Stelle, wo der Tumor entfernt wurde.“ LT: „Was wird injiziert?“ Prof. Hirschberger: „In den Operationsbereich, das so genannte „Tumorbett“, werden Adenoviren injiziert. Diese Adenoviren sind gentechnisch präpariert und können sich im Körper der Katze nicht mehr vermehren. In ihre Erbsubstanz wurde ein Abschnitt eingebaut, der die Zellen der Katze veranlasst, die körpereigenen Hormone lnterleukin-2 und lnterferon-Gamma zu bilden, die bei der Tumorabwehr eine wichtige Rolle spielen. Sie dienen der Kommunikation zwischen Zellen und unterstützen das Immunsystem dabei, Tumorzellen zu erkennen und aufzulösen. Die Wirkung ist örtlich begrenzt.“ LT: „Warum spritzt man Adenoviren und nicht die Hormone selbst?“ Prof. Hirschberger: „ Würde man die Hormone selbst injizieren, wäre ihre Wirkung nur von kurzer Dauer, da sie im Körper der Katze schnell abgebaut werden. Die Adenoviren dagegen dringen In die Gewebezellen Im Tumorbett ein und veranlassen diese, lnterleukin-2 und Interferon-Gamma zu produzieren. Damit ist gewährleistet, dass diese Hormone in gleichmäßiger Konzentration über einen längeren Zeitraum im Tumorbett wirken.“ LT: „Welche Nebenwirkungen hat diese Behandlung?“ Prof. Hirschberger: „Nebenwirkungen der Therapie sind nicht auszuschließen, sondern in gewisser Weise auch erwünscht. Die Reaktion des Körpers gegen die Tumorzellen schließt ein entzündliches Geschehen mit ein. So zeigen einige Katzen im Operationsbereich eine Hautrötung mit geringgradiger Schmerzhaftigkeit und gelegentlich auch eine erhöhte Körpertemperatur.“ LT: „Gibt es schon erste Ergebnisse der Studie?“ Prof. Hirschberger: „Dafür ist es noch zu früh. Statistisch gesicherte Ergebnisse liegen erst vor, wenn eine genügend große Anzahl Patienten über ein Jahr nachuntersucht werden konnte. Die Wirksamkeit dieses Therapieansatzes wurde in einer Vorläuferstudie nachgewiesen, so dass wir zuversichtlich sind, mit dieser Behandlung einen Fortschritt in unbefriedigenden Therapie des Fibrosarkoms der Katze zu erreichen.“ LT: „Herr Professor Hirschberger, wir bedanken uns sehr für das Gespräch.“ |
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Arten von Impfungen 1. Passive Impfung Der Impfung erhält Schutzstoffe gegen Erreger (= Antikörper), die von einem anderen Organismus gebildet wurden. Die Schutzwirkung ist auf ca. zwei Wochen begrenzt, da in diesem Zeitraum die zugeführten Antikörper im Körper des Impflings abgebaut werden. Einsatz findet die passive Schutzimpfung bei gefährdeten Tieren, deren Immunsystem beispielsweise aufgrund von Unreife (bei wenigen Wochen alten Jungtieren) oder durch Erkrankung des Tieres selbst nicht in der Lage ist, Antikörper zu bilden. 2. Aktive Impfung Das Immunsystem wird durch den Impfstoff angeregt, Antikörper zu bilden und sensibilisiert seine Zellen gegenüber dem Erreger. Die Schutzwirkung besteht über viele Monate. Man unterscheidet: · Lebendimpfstoffe: Der Erreger lebt, kann sich aber nicht mehr vermehren. Die Immunantwort des Impflings ist stark. Beispiel: Parvoviroseimpfstoff (,‚Katzenseuche“) · Inaktivierte Impfstoffe: Der Erreger wurde abgetötet. Für eine ausreichende Reaktion des lmmunsystems sind Hilfsstoffe, so genannte Adjuvanzien (latein. adjuvare = helfen), erforderlich. Beispiele: Tollwut-, Leukoseimpfstoff |
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Weiterhin viel Spaß auf unseren Webseiten - 21.04.2007 - © rooster |
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