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EIN HERZ FÜR TIERE- 02/2002 … und andere Tiere, die Allergien auslösen sollen? Neue Studien behaupten sogar, sie können vor Allergien schützen. von Constanze Huber Wenn Sie Kinder haben wollen, muss die Katze weg!“, hieß es bisher von vielen Ärzten. Haustiere machten Dreck, verursachten Allergien, und überhaupt sei ein Haushalt mit Tieren nie so richtig sauber. Auch Erwachsene scheuen das Risiko: Immer noch landen jede Menge bewährte Begleiter, treue Hunde und zauberhafte Katzen beim kleinsten Nieser aus Angst vor Allergien in Tierheimen. Doch langsam bröckelt die Front der Tiergegner. Weltweit erscheinen Studien, die Erstaunliches verkünden: Tiere müssen nicht immer nur Allergien auslösen, sondern sie können sogar davor schützen. Ein echter Saustall stärkt das Immunsystem besser als eine gepflegte Landhauswohnung, ergab letztes Jahr eine Studie mit 2618 Landkindern von Dr. Josef Riedler von der Salzburger Landesklinik für Kinder- und Jugendheilkunde. Er fand zusammen mit Forschern aus Basel, Salzburg und München heraus, dass der längere, frühzeitige Kontakt von Bauernkindern zu Stall und Kuhmilch gegen die Entwicklung von Allergien wie Asthma und Heuschnupfen schützen kann. Die untersuchten Bauernkinder aus Österreich, der Bundesrepublik und der Schweiz erwiesen sich als gesünder und allergieärmer als Kinder aus derselben ländlichen Umgebung, die nicht oder weniger mit Mist und Stalltieren in Berührung kamen. Das Immunsystem ist im wenig sterilen Stall beschäftigt mit der Bekämpfung von Erregern aller Art. Deshalb härtet eine bäuerliche Umgebung mit Stalltieren wie Rindern, Schweinen, Schafen, Geflügel, Pferden und Ziegen ab. Eine Studie der University of Sydney kam im letzten Jahr zu ähnlichen Ergebnissen bei australischen Bauernhofkindern. Schwedische Schulkinder mit Hunden und Katzen und mehreren Geschwistern erwiesen sich ebenfalls als weniger allergisch, wie die Universität von Göteborg 1999 ermittelte. Aus dem US-Staat Virginia stammt eine Untersuchung, die auch an Katzen schützende Eigenschaften entdeckte: Thomas Platts-Mills von der Universität Charlottesville fand 2001 heraus, dass Kinder, die mit Katzen aufwachsen, ein geringeres Risiko besitzen, an Tierallergien zu erkranken, als Kinder, die selten Kontakt zu Katzen haben. Ein Team der Norwegian University of Science and Technology aus Trondheim ermittelte 2001 bei einer Befragung Erwachsener, dass Katzenbesitzer weniger allergiegefährdet sind. Dr. Joachim Heinrich vom Institut für Epidemiologie des GSF Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit in München entdeckte bei seiner aktuellen Studie „Haustierkontakt und Allergien bei Schulkindern“, dass Hundekontakte vor der Entwicklung allergischer Krankheiten schützen können. Für die anderen Tierarten konnte er das allerdings nicht feststellen. Dr. Heinrich kommentiert die neuen Studien noch sehr vorsichtig: „Gegenwärtig wird die Orientierung neu bedacht. Aber man muss noch ein, zwei Jahre warten. Noch kann man keine praktischen Erfahrungen daraus ableiten.“ |
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Wer trotz oder wegen einer nur leichten Allergie nicht auf sein Tier verzichten will, dem hilft zum Beispiel ein strenges Schlafzimmerverbot für Tiere. Ein Raum ohne Tierhaare, in dem der Körper sich erholen, der Allergiker mal aufatmen kann. Deshalb sollte man sich auch außerhalb des Schlafzimmers umziehen und die getragene Kleidung (mit den Tierhaaren) draußen lassen. Allergiker sollten auch wöchentlich die Bettwäsche wechseln und besonders gründlich und häufig bei offenem Fenster Staub saugen. Dafür gibt es Spezialstausauger für Tierhaare, z.B. "Cat & Dog Plus“ von Miele. Auch die Kastration von Katzen oder Katern soll Allergene deutlich vermindern. Allergiker können sich auch desensibilisieren lassen: Sie werden in wachsender Dosierung dem Allergen, auf das sie reagieren, ausgesetzt. So gewöhnt sich der Körper daran. Leider hilft das oft nicht beim eigenen Tier. Trotzdem sollte man den Allergologen fragen.
ADIZ/Allergie-Dokumentations und Informations-Zentrum Burgstr. 12, 33175 Bad Lippspringe, Tel. 0 52 52 / 95 45 00 - www.adiz.de
Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V. Hundeburgstr. 110, 41061 Mönchengladbach Hotline täglich 9.30-12.30 Uhr, Tel. 0 21 61/1 02 07 - www.daab.de
Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind e.V. AAK - Hilfen für Kinder mit Asthma, Ekzem oder Heuschnupfen Nassaustr. 32, 35745 Herborn, Tel. 0 27 27 / 9 28 76-0, Fax 92 8748 - www.aak.de |
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Skeptische Experten - Allergologen über die neuen Studien: Es ist letztlich unbekannt, welche Faktoren in der modernen westlichen Gesellschaft für die derzeitige Zunahme der Prävalenz allergischer Erkrankungen verantwortlich sind. Eine verbesserte Hygienepraxis, kleinere Familien sowie ein verändertes Expositionierungsmuster gegenüber Allergenen sind postuliert worden. In letzter Zeit sind Studien durchgeführt worden zum Ziel einer Beurteilung der Beziehung zwischen frühkindlicher Heimtierexponierung, Familiengröße, allergischer Manifestation und allergischer Sensibilisierung im Alter von 7-13 Jahren. Ein Ergebnis solcher Studien bestand in der geringeren Allergieprävalenz in den Atemwegen von Schulkindern, die im ersten Lebensjahr eine Heimtierexponierung erlebt hatten, sowie einer geringen Prävalenz dieser Erkrankungen bei Kindern mit zunehmender Geschwisterzahl. Zwei Punkte sind hier von Wichtigkeit: Bei Familien mit mehreren Kindern ist in der Regel die Infektabwehr gut ausgebildet. Dies geschieht über eine so genannte TH-1-Reaktion, wodurch eine protektive Immunität erzielt wird. Die Kinder waren nicht allergisch vorbelastet in dem Sinne, dass die Eltern Allergiker waren. Eine Exposition gegenüber Katzenallergenen kann eine IgG- und lgG-4-Antikörperreaktion auslösen, ohne dass sich eine Sensibilisierung oder ein Asthmarisiko ergibt. Die T-Helferzell-Antwort wird auch hierauf den TH-1-Modus gelenkt, so dass eine Form von Toleranz entstehen kann. Selbstverständlich ist bei entsprechender Disposition durch Halten eines Tieres eine Allergieentwicklung möglich, wobei dies durch geringere Kinderzahlen und aufgrund anderer Lebensstilveränderungen gefördert werden kann. Die Studien lassen bisher nicht den Schluss zu, dass durch eine Haustierhaltung generell eine spätere Allergie vermieden werden kann. Dr. med. Kersten, Ärzteverband Deutscher Allergologen-Beirat - Dr. med. W. Kersten |
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Weiterhin viel Spaß auf unseren Webseiten - 21.04.2007 - © rooster |
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