|
|
|
|
|
|
|
|
|
EIN HERZ FÜR TIERE - 05/2005 Anfälle müssen unterdrückt werden von Barbara Welsch, Tierärztin Mit vorbeugenden Maßnahmen und den richtigen Medikamenten können Hunde und Katzen mit dieser Krankheit gut und lange leben
Häufig verläuft ein schwerer Anfall nach folgendem Schema: In der ersten Phase, der Aura, verändert das Tier sein Verhalten: Es läuft weg, zeigt sich aggressiv oder ängstlich, scheint Halluzinationen zu haben. Während des eigentlichen Anfalls (Iktus) ist es nicht mehr ansprechbar.
Wettlauf mit der Zeit
Diese Phase dauert durchschnittlich zwei Minuten. Bereits ab einer Dauer von fünf Minuten kann diese Phase in den lebensbedrohlichen Status epilepticus übergehen. Daher sollte bei jedem schweren Anfall der Tierarzt benachrichtigt werden. Anschließend, in der postiktalen Phase (Nach-Anfallsphase), sind viele Tiere erschöpft. Sie können aber auch aufgedreht und aggressiv sein. Dieser Zustand kann einige Stunden anhalten. Man weiß heute, dass ein Anfall durch eine plötzliche Entladung unzähliger Nerven im Gehirn ausgelöst wird. Aber nicht, warum und wie, und auch nicht, wann es zu einer Entladung kommt. „Das Einzige, was wir bei einer Epilepsie vorhersagen können, ist, dass wir nichts vorhersagen können“, wie der Spezialist Dennis O‘Brien von der Universität von Missouri schreibt.
Junge Erwachsene gefährdet
Einige Anhaltspunkte für die Eingrenzung der Krankheit liefert die Statistik. Katzen sind seltener von einer idiopathischen Epilepsie betroffen als Hunde. Die meisten Tiere haben ihren ersten Anfall im Alter von einem bis drei Jahren. Bei jüngeren oder älteren lösen meist andere Krankheiten oder Schäden die Symptome aus. Epilepsie scheint zum Teil erblich zu sein. Denn Rassetiere leiden häufiger darunter als Mischlinge. Rund 1% aller Hunde, bei bestimmten Rassen 15-20%, haben nach dem amerikanischen Wissenschaftler Roger Mayeda Clemmons eine Form der Epilepsie.
Das zweite große Rätsel, das die Epilepsie Tierärzten und -haltern aufgibt: Das Krankheitsbild ist von Tier zu Tier unterschiedlich. Grob unterscheidet man die generalisierten von partiellen oder fokalen Anfällen, bei denen sich nur einzelne Muskeln verkrampfen, nur einige Körperfunktionen beeinträchtigt sind und das Tier bei Bewusstsein bleibt.
Milde Verlaufsformen können lange unentdeckt bleiben, weil die Symptome schwach sind. So kann das ziellose wilde Umherrennen eines jungen Tieres Ausdruck von Lebensfreude, eine Beil-Orgie ein Erziehungsfehler und das scheinbar blicklos Vor-sich-Hinstarren einer Katze völlig normal sein. In seltenen Fällen können diese Verhaltensweisen aber auch Anzeichen für eine Epilepsie sein.
Erst wenn andere Symptome hinzukommen, wie z. B. Muskelzittern, übermäßiges Speicheln oder tatsächlich ein Anfall, besteht der Verdacht auf Epilepsie. Allerdings nur der Verdacht, denn diese Symptome können von unzähligen anderen Krankheiten von Anämie über Infektionen und Stoffwechselstörungen bis zu Verletzungen des Gehirns oder Rückenmarks verursacht werden. Tatsächlich gibt es keine direkte Methode, eine idiopathische Epilepsie sicher zu diagnostizieren.
Diagnose nach Ausschluss
Der Tierarzt kann nur auf einem Umweg zu der Diagnose idiopathische Epilepsie kommen. Nämlich, indem er alle anderen Krankheiten ausschließt, die neurologische Symptome oder Anfälle verursachen. Entdeckt er eine andere Ursache für die Symptome des Tieres, muss er selbstverständlich die Grundkrankheit behandeln.
Bis auf wenige Ausnahmefälle, in denen das Tier aus ungeklärten Gründen keine Anfälle mehr hat, ist eine Heilung nicht möglich. Die Therapie der Epilepsie besteht darin, die spontanen Entladungen der Nerven im Gehirn medikamentell zu unterdrücken.
Bewährt bei Hund und Katze hat sich das Beruhigungsmittel Phenobarbital, das den Tieren als Tablette zweimal täglich verabreicht wird. Bis die richtige Dosis gefunden ist, können bis zu zwei Wochen vergeben. Die Behandlung muss absolut zuverlässig und regelmäßig durchgeführt werden. Jedes Vergessen des Medikaments kann einen schweren Anfall zur Folge haben.
Aus diesem Grund darf die Dosis nur in Absprache mit dem Tierarzt reduziert werden, und das Medikament darf auf gar keinen Fall abrupt abgesetzt werden. Auch wenn ein tierischer Epileptiker unter Erbrechen oder Durchfall leidet, muss sofort der Tierarzt verständigt werden. Er entscheidet dann, ob die Medikamente besser gespritzt werden. Phenobarbital kann die Leber empfindlicher Tiere schädigen. Außerdem scheint es sich mit einigen Anti-Parasitika nicht zu vertragen. Wenden Sie daher niemals Antiwurm- oder Anti- Floh- und -Zeckenmittel ohne Rücksprache mit dem Tierarzt an. Ein weiterer wichtiger Wirkstoff zur Therapie der Epilepsie ist das Kaliumbromid. Mit seiner Hilfe kann die Phenobarbital-Dosis reduziert werden. Insbesondere bei Tieren mit Leberschäden entscheidet sich der Tierarzt häufig für eine Kombinationstherapie von Phenobarbital und Kaliumbromid. In seltenen Fällen ist bei Katzen auch eine Therapie mit Diazepam, besser bekannt als Valium, erfolgreich.
Notfaltarznei zu Hause
Diazepam dient aber eher als Notfallmedikament, um einen akuten Anfall und insbesondere einen Status epilepticus zu beenden. Bei tierischen Epileptikern, die besonders schwere Anfälle erleiden, sollte man mit dem Tierarzt beraten, ob man für den Notfall Diazepam-Zäpfchen in der Hausapotheke vorrätig halten sollte. |
|
|
|
INFO
Was tun bei einem Anfall
|
|
|
|
Weiterhin viel Spaß auf unseren Webseiten - 21.04.2007 - © rooster |
|
|