SCHLAPPE HUNDE - RASENDE KATZEN

EIN HERZ FÜR TIERE - 03/2002

Probleme mit der Schilddrüse

von Barbara Welsch, Tierärztin 

Während Hunde eher an einer Unterfunktion der Schilddrüse leiden, haben es Katzen in höherem Alter meist mit einer Überfunktion zu tun. Beide Störungen sind chronisch und die Tiere müssen ein Leben lang behandelt werden.

Die Schilddrüse liegt nahe dem Kehlkopf im Hals des Tieres. Sie produziert Hormone, die den Stoffwechsel und das Wachstum ankurbeln. Ohne diese Hormone bleibt ein Jungtier in seiner geistigen und in seiner körperlichen Entwicklung zurück.

Leidet das erwachsene Tier unter einem Schilddrüsenhormonmangel, reagieren seine Organe mit Trägheit.

Das Herz schlägt langsamer, die Körpertemperatur sinkt und das Tier macht einen schwachen und trägen Eindruck. Die Tiere sind außerdem anfälliger für Infektionskrankheiten. Bei vielen Tieren wird die Haut dicker und „teigig“, es kommt zu Haarausfall und das Tier neigt zu Hautkrankheiten.

Unter einer Schilddrüsenunterfunktion leiden meist Hunde zwischen dem 1. und 6. Lebensjahr. Golden Retriever und Dobermänner sollen häufiger von dieser Erkrankung betroffen sein als andere Rassen. Ist die Schilddrüsenunterfunktion angeboren, sterben die meisten Welpen schon bald nach ihrer Geburt daran. In den wenigen Fällen, in denen solch ein Welpe überlebt, bleibt er zwergenhaft klein und deutlich „begriffsstutziger“ als seine Geschwister.

Die Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion beim erwachsenen Hund ist in den meisten Fällen eine Autoimmunkrankheit. Bei einer Autoimmunkrankheit greift das eigene Abwehrsystem ohne ersichtlichen Grund bestimmte Organe des Körpers an, im Falle der Schilddrüsenunterfunktion die Schilddrüse, und ver­ursacht dort eine Entzündung. Das Gewebe der Drüse verändert sich und kann nicht mehr so viel Schilddrüsenhormon produzieren, wie der Körper braucht. Es dauert allerdings eine Weile, bis der Hund mit einem Mangel an Schilddrüsenhormon die oben genannten Symptome zeigt. Ja, es kann sogar sein, dass sich der Hund in seinem Aussehen und Wesen so langsam verändert, dass sich der Besitzer daran gewöhnt und das für „normal“ bzw. für Alterserscheinungen hält. Erst wenn es zu Hautveränderungen, insbesondere zu Haarausfall, kommt, bemerken die meisten Halter, dass etwas mit ihrem Hund nicht stimmt.

Die Symptome sind nicht eindeutig

Um die Unterfunktion der Schilddrüse zu festzustellen, reichen die Symptome allerdings nicht. Denn alle Anzeichen für einen Mangel an Schilddrüsenhormon können auch Anzeichen einer ganz anderen Krankheit sein. Daher muss der Tierarzt verschiedene Tests durchführen. Bei dem bekanntesten Test entnimmt der Tierarzt dem Hund eine Blutprobe, danach spritzt er dem Hund ein Mittel, das die Schilddrüse stimulieren soll, mehr Hormone zu bilden.

Etwa vier Stunden später entnimmt der Tierarzt erneut eine Blutprobe. In einem Labor lässt er beide Blutproben auf Schilddrüsenhormone untersuchen. Bei einer gesunden Schilddrüse enthält die zweite Blutprobe mehr Hormone als die erste, bei einer Unterfunktion verändert sich der Wert nicht oder nur geringfügig. Leider sind die Tests nicht absolut zuverlässig und so kann es sein, dass ein Test eventuell wie­derholt werden muss, um eine sichere Diagnose zu stellen.

Hat der Tierarzt die Unterfunktion der Schilddrüse sicher festgestellt, ist die Behandlung dieser Störung verhältnismäßig einfach. Der Hund muss sein Leben lang die Menge an Schilddrüsenhormon in Tablettenform bekommen, die ihm fehlt. Um die richtige Dosis festzustellen, muss der Tierarzt den Hund zu Beginn der Behandlung in regelmäßigen Abständen untersuchen. Nach etwa vier Wochen aber ist der Hund schon wieder fast der Alte.

Katzen leiden nur selten unter einer Unterfunktion der Schilddrüse - ihr Problem ist eher die Überfunktion. Amerikanische Tierärzte glauben, dass die Überfunktion der Schilddrüse zu den häufigsten Hormonstörungen von Katzen über acht Jahren gehört. Sie entsteht meist durch eine gutartige Wucherung des Schilddrüsengewebes.

Die Überfunktion überfordert die Organe

Bei einer Überfunktion der Schilddrüse wird zu viel Schilddrüsenhormon gebildet. Die Hormone im Überschuss treiben den Organismus pausenlos zu Höchstleistungen an. Das Herz rast, die Katze verbrennt alle Nährstoffe viel schneller, als sie sie durch die Nahrung wiederaufnehmen kann, atmet manchmal so hektisch, dass sie zu hecheln beginnt, und wirkt unruhig und nervös.

Katzen mit einer Überfunktion der Schilddrüse zeigen folgende Symptome: Sie magern ab, obwohl sie viel fressen, trinken mehr als vorher, suchen kühle Plätze auf, erbrechen häufig oder leiden ständig unter Durchfall, hecheln bereits nach geringen Anstrengungen, haben häufig ein struppiges und stumpfes Fell.

Tatsächlich ist die Schilddrüsenüberfunktion gefährlicher als die Unterfunktion, denn die Organe werden regelrecht überfordert und können versagen.

In Deutschland gibt es zwei Methoden der Behandlung: Die eine ist die chirurgische Entfernung überschüssigen Gewebes. Doch diese Methode setzt voraus, dass alle Organe der Katze noch problemlos funktionieren. Hat die Überfunktion jedoch schon länger bestanden, ist das nur noch selten der Fall. Daher wendet der Tierarzt meist die zweite Methode an. Bei dieser Methode erhält die Katze ihr Leben lang Medikamente, die die Überproduktion von Schilddrüsenhormon unterdrü­cken. Haben die Organe bereits Schaden genommen, muss der Tierarzt natürlich auch diese begleitend behandeln.

 

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