SCHUTZ VOR ZECKEN UND ANDEREN PARASITEN

WDR - Newsletter der ServiceZeit Tiere suchen ein Zuhause vom 29.04.2002

Nicht nur Menschen, sondern auch Hund und Katze (übrigens auch Pferde) sind durch Zecken und andere Parasiten bedroht. Gegen die Bisse und Stiche heimischer Parasiten bzw. die Folgeerkrankungen kann man die Haustiere recht gut schützen. Im Urlaub sind je nach Reisegebiet unbedingt weitere Vorsichtsmaßnahmen - und das nötige Wissen - gefragt.

In Deutschland droht Hunden und Katzen, die viel draußen herumstreifen, vor allem der Biss der verbreiteten  "Holzbock"-Zecke (Ixodes ricinus).  Diese kleinen Tiere "lauern" vor allem in Misch- und Laub- und Mischwäldern, aber auch in Büschen und höheren Gräsern - also zwar vor allem auf dem Land, aber durchaus auch in städtischen Parks und am Rand von Siedlungen. Die Zecken haben im Frühjahr und im Herbst absolute Hochsaison, sind aber auch während des Sommers weit verbreitet. Wenn zum Beispiel ein Hund durchs Gebüsch streift, kann sich eine Zecke ins Fell fallen lassen und dann in die Haut einsaugen. So kann sie Blut ansaugen - das ist ihre Nahrung. Beim Ansaugen wandert Speichel der Zecke in den Blutkreislauf des Hundes (oder der Katze), und dabei können gefährliche Borrelien-Erreger übertragen werden.

Das muss aber nicht in jedem Fall passieren, denn erstens trägt gar nicht jede Zecke diese Erreger in sich: Je nach Gebiet kann man davon ausgehen, dass etwa ein Viertel bis ein Drittel der Zecke den Erreger in sich haben. Außerdem hängt die Infektionsgefahr auch davon ab, wie lange die Zecke schon Blut saugt. Je länger sie saugt, desto höher die Infektionsgefahr. Versuche haben ergeben, dass eine Infektion erst 48 Stunden nach dem Ansaugen geschieht. Es ist also wichtig, eine Zecke, sobald man sie entdeckt hat, sofort zu entfernen. Vorsicht: Der Zeckenkopf muss mit herausgeholt werden. Dabei hat sich bewährt, die Zecke mit einer speziellen Zeckenzange (meist aus Kunststoff) herauszudrehen.

Bleibt eine infektiöse Zecke unentdeckt, kann sich der Erreger übertragen und das Haustier an Borreliose erkranken. Die Krankheit bricht oft erst nach mehreren Tagen oder Wochen aus. Beim Hund ist der Ausbruch zunächst kaum sichtbar bzw. die Symptome könnten auch auf einen anderen Infekt hindeuten. Achten Sie aber, wenn Sie einen entsprechenden Verdacht haben, vor allem auf diese Symptome: Der Hund ist matt, hat wenig Appetit, er bekommt Fieber und zeigt Schwierigkeiten beim Aufstehen (Grund dafür sind Gelenkentzündungen). Die typische Rötung der Bissstelle ist (anders als bei Menschen) oft nicht zu sehen. Im weiteren Krankheitsverlauf können die inneren Organe und das Nervensystem geschädigt werden. Borreliose kann in vielen Fällen mit  bestimmten Antibiotika behandelt werden. Ganz wichtig: Wenn Sie den Eindruck haben, ihr Hund oder ihre Katze ist an Borreliose erkrankt, dann gehen Sie so schnell wie möglich zum Tierarzt - je früher, desto besser!

Vorbeugen ist besser als Heilen
Sie können Ihren Hund mittlerweile vorbeugend gegen Borreliose impfen lassen. Gegen eine weitere, beim Menschen relevante Folgeerkrankung, die FSME, gibt es keinen Impfschutz für den Hund, da bislang bundesweit erst zwei Fälle möglicherweise an FSME erkrankter Hunde bekannt geworden sind.

Eine Impfung ist aber längst nicht bei jedem Hund notwendig. Sie selbst können am besten einschätzen, ob ihr Hund viel in zeckendichten Gebieten herumstreift. Um es zu verdeutlichen: Klar, dass ein Jagdhund dringender Impfschutz braucht als ein kleiner Stadthund, der (bedauerlicherweise) wenig ins Grüne kommt!

Katzen können in Deutschland überhaupt nicht gegen Borreliose geimpft werden; es gibt keinen zugelassenen Impfstoff für sie.

Um es noch einmal ausdrücklich zu sagen: Gegen den Biss einer Zecke selbst gibt es keine Impfung: Die Impfung schützt ja nicht vor dem Biss selbst, sondern vor möglichen Folgeerkrankungen.

Um den Zeckenbefall zu verhindern, kann man aber verschiedene äußerlich wirkende Mittel anwenden: Halsbänder, Sprays und Flüssigkeiten schrecken die Zecke ab.
Sprays sind ehr etwas für Hunde; Katzen erschrecken sich vor dem Sprühgeräusch! Daher reibt man Katzen am besten ein; das Mittel wird unter den Schulterblättern eingerieben. Das geht bei Hunden auch gut; außerdem eignen sich Halsbänder. In den ersten ca. zwei Stunden nach der Behandlung sollten Sie nicht mit dem Tier herumschmusen und vor allem Kinder nicht zu nah an das Tier lassen, damit sie nicht zu stark mit den Mitteln in Kontakt kommen.

Am besten informieren Sie sich bei Ihrem Tierarzt und bei anderen Tierhaltern darüber, mit welchen Mitteln man gute Erfahrungen gemacht hat - es gibt nämlich große Unterschiede in der Wirksamkeit.

 

Borreliose-Impftipps für Hunde:

  • Ganz wichtig: Der Hund darf nur geimpft werden, wenn er nicht bereits infiziert ist! Sonst bricht die Krankheit erst recht aus! Einen Test können Sie über jede Tierarztpraxis durchführen lassen.

  • Alle Hunde, auch trächtige Hündinnen und Welpen ab 3 Monaten können geimpft werden.

  • Die Impfung erfolgt in zwei Schritten im Abstand von 3 bis 5 Wochen. geimpft werden. Dann wird die Impfung jährlich aufgefrischt.

  • Der beste Impfzeitpunkt ist vom späten Herbst bis zum Winterende; möglich ist die Impfung aber das ganze Jahr hindurch.

Mehr Informationen über Zecken und den Impfstoff bekommen Sie unter http://www.kleintierpraxis.de/start99/; und noch mehr wissenschaftliche Informationen bietet die Seite www.zecklab.de. (diese Seite ist zur Zeit im Aufbau).

 

Infektionsgefahren in südlichen Urlaubsländern

Andere Länder, andere Gefahren: Wenn Sie Ihren Hund mit in den Urlaub nehmen, können ihm vor allem in Südeuropa insbesondere drei Infektionskrankheiten drohen: Leishmaniose, Babesiose und Ehrlichiose.

Leishmaniose führt sehr häufig zum Tod der betroffenen Hunde. Zuerst werden Haut und Organe von Geschwüren befallen. Der Hund bekommt die Infektion meist durch den Stich einer Sandmücke, kann sich aber auch bei anderen, schon erkrankten Hunden anstecken, wenn aus den befallenen Hautstellen Sekret austritt. Dass sich Ihr Hund infiziert hat, merken Sie nicht unbedingt gleich, denn es kann Monate, in Einzelfällen sogar Jahre dauern, bis die Erkrankung ausbricht.

Auch Menschen können an Leishmaniose erkranken. Die Krankheit äußert sich beim Menschen durch faulige Schleimhautentzündungen und deutlich sichtbare Geschwüre an Armen, Beinen und im Gesicht.

Babesiose
Diese Erkrankung wird nicht durch den Stich einer Sandmücke, sondern durch einen Zeckenbiss übertragen. Die Erreger vermehren sich im Blut. Die schlimmen Folgen sind u.a. heftige Reaktionen des Immunsystems, Blutarmut und Gelbsucht. Es dauert zwischen etwa zwischen zehn Tagen und drei Wochen, bis die Krankheit ausbricht. Die Babesiose-Erkrankung wird oft von einer anderen typischen südeuropäischen Hundekrankheit begleitet: der Ehrlichiose.

Ehrlichiose
Wie die Babesiose wird auch die Ehrlichiose durch einen Zeckenbiss übertragen. Die Krankheit ist eine Gefahr für alle Hunde, aber besonders leicht bricht sie bei Deutschen Schäferhunden aus. Eine bis drei Wochen nach der Infektion bekommt der Hund heftiges Fieber, Krampfanfälle, er verliert den Appetit, und es treten weitere Symptome auf. Als Folge der Erkrankung können dann Schäden am Knochenmark und Blutarmut auftreten.

 

Vorbeugungs- und Heilungstipps

  • Ihr Hund braucht einen erprobten Zecken - und Mückenschutz (Halsband, Sprays).
    - Über die verbreiteten Impfbestimmungen südeuropäischer Länder hinaus sind auf jeden Fall die Staupe- und Parvoviroseimpfung sinnvoll, da diese beiden Krankheiten andernorts teilweise sehr viel verbreiteter sind als in Deutschland.

  • Lassen Sie Ihren Hund erst gar nicht mit streunenden Hunden zusammenkommen.

  • Wenn Sie im Zusammenhang mit der Reise (auch noch nach Monaten) verdächtige Symptome bemerken und der Hund vielleicht nicht gut geschützt war, dann gehen Sie sofort mit ihm zum Tierarzt und erwähnen Sie die Reise in den Süden.

Mehr Informationen über die drei "Mittelmeer"-Infektionen sowie weitere Gesundheits- und Urlaubstipps finden Sie auf der Homepage des Bundesverbandes praktischer Tierärzte unter

 http://www.tieraerzteverband.de/tiergsnd/gesund.htm 

und im Begleittext zu unserem Beitrag Leishmaniose unter

 http://www.wdr.de/tv/service/tiere/inhalte/010701_3.html .

 

Weiterhin viel Spaß auf unseren Webseiten - 21.04.2007 - © rooster

 

| zurück | zurück zur Übersicht | zurück zum Seitenanfang |