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EIN HERZ FÜR TIERE - 02/2002 Sind Sie sicher, dass Ihr Hund versteht, was Sie von ihm wollen? von Ursula Birr Sie rufen sich die Seele aus dem Leib, doch Ihr Hund spielt munter weiter mit seinen Freunden. Sie sagen „Sitz“ und er legt sich hin. Fast immer tut Ihr Hund, was Sie sagen. Sie sagen nur etwas Falsches. Alle Hunde werden gerne gelobt und sie versuchen instinktiv so zu handeln, dass ein Leckerli oder ein freundliches Wort folgt. Leider ist es für die meisten Vierbeiner äußerst schwierig zu begreifen, was wir Zweibeiner im Detail wollen. Aus der Sicht des Hundes handeln wir unlogisch oder reagieren total falsch. Wenn Sie einen Hund haben, der „eigentlich“ ganz lieb ist, ab und zu aber scheinbar taub oder unwillig zu gehorchen ist, überlegen Sie mal, ob nicht einer der folgenden Punkte Grund für den Ungehorsam ist. Dauerbeschallungs-Effekte Ihr Hund ist nicht schwerhörig und wenn er ein Kommando erst einmal richtig verknüpft hat und willens ist, genügt ein einziger Ruf zur Ausführung. Jedes weitere Wort entwertet aus Hundesicht den Zweck. Wenn Sie Ihren Hund deutlich rufen, anschließend weitere „Hiers!“, „Komms!“ und seinen Namen rufen, kann Hund sich seelenruhig Zeit lassen. Sie geben ihm ja Bescheid, wo und wie weit Sie sich befinden, und zeigen überdeutlich, dass Sie auf ihn warten (oder ihm sogar folgen?). Dauerkommandos erinnern einen Hund eher an scheue Bitten, er verliert den Respekt davor. Wenn Wort und Geste einander widersprechen Ihr Hund hört nicht nur Top, alle seine Sinne funktionieren exzellent und spielen zusammen. Seine Beobachtungsgabe ist phänomenal, er deutet Ihr Mienenspiel, Ihre Körpersprache und die Betonung Ihrer Worte und kombiniert. So kann jedes Kommando, das Sie aussprechen, sich für ihn ins Gegenteil verkehren, wenn Ihre Haltung und Ihre Gesten nicht damit übereinstimmen. Wer zitternd vor Wut und Ungeduld mit verkrampftem Gesicht „Komm her“ säuselt, kann seinen Hund nicht täuschen. Der spürt genau die Spannung und zögert seinerseits, Ihnen zu nahe zu kommen. Man weiß ja nie Ganz oft passiert so etwas, wenn Sie mit dem Hund zum Tierarzt gehen wollen oder ihn in den Wagen locken, um ihn zu einem Sitter zu fahren. Nachlässigkeit und Vergesslichkeit Sie sind ganz stolz, dass Ihr Hund Sitz, Platz, Bei Fuß, Bleib beherrscht? Und gehen zur Tagesordnung über? Das kann ins Auge gehen. Denn wenn Sie anfangs konsequent auf Erfüllung Ihrer Wünsche, und zwar hier und jetzt und ohne Widerspruch bestanden haben, im Lauf der Zeit aber über Trotzreaktionen lächeln, wird auch der freundlichste Hund das ausnutzen, um ungeliebte Handlungen mit viel Charme nicht oder nachlässig zu tun. Gleiches passiert, wenn Sie ihm grundsätzlich nach jeder braven Handlung einen Leckerbissen zugeschoben haben. Er wird nur dann gehorchen, wenn der Leckerbissen winkt. Aus seiner Sicht vollkommen zu Recht. Mehrfaches Kommando Ein klassisches Missverständnis: Sie lassen den Hund sich setzen, legen und fordern „Bleib“. Während Sie allmählich zurückgehen, drängen Sie unaufhörlich „Bleib!“ … Bleib!“... Und sobald Sie verstummen, steht Ihr Hund strahlend auf und läuft auf Sie zu. Denn er hat gelernt: Solange das Kommando ertönt, darf er sich nicht rühren. Ähnliche Mehrfachkommandos führen zu einem „Sitz“, nur solange eine bestimmte Handbewegung zu sehen ist, oder zu einem Platz, bis der ebenfalls niedergebeugte Mensch sich ächzend erhebt. Kommando zu früh Glauben Sie ja nicht, Ihr Hund hätte nichts anderes im Hirn, als auf einen möglichen geäußerten Wunsch Ihrerseits zu warten. In seiner Welt animieren ihn Gerüche, Geräusche, fordern Bewegungen und Umweltreize ihn heraus. Und da mitten hinein platzt Ihr „Bei Fuß“. Möglich, dass es bei ihm ankommt, doch wenn er weiter weg ist, wird er höchstens stutzig. Ähnlich wirkungslos sind „Hopp“-Kommandos, wenn der Graben oder das Mäuerchen noch zwei bis drei Hundeschritte entfernt sind. Der Hund wird Ihre Worte schlicht nicht mit ihrer Bedeutung verknüpfen. Lob zu spät Ein guter Hund will Anerkennung für das, was er getan hat. Er wartet, wenn er sich brav gesetzt hat, auf ein nettes Wort oder eine entspannte Miene von Ihnen. Als er beschwichtigend seine Pfote nach oben hebt, kommt tatsächlich Ihr „Braaav!“ und Sie haben künftig einen Hund, der auf „Sitz“ Pfote gibt, meistens sitzend, aber auch stehend. Denn er wurde ja fürs Pfotenheben belohnt. Die innere Uhr und andere Äußerlichkeiten Rund die Hälfte aller Hundehalter kennen das: Auf dem Hundeplatz funktioniert Ihr Vierbeiner wie eine Maschine, ohne Fehl und Tadel. Doch ohne Trainer, ohne die anderen Mitschüler, ohne das Drumherum einer Trainingslektion scheint Ihr Hund alles vergessen zu haben. Er schaut Sie vielleicht fassungslos an, wenn Sie sauer reagieren, doch er denkt nicht dran, brav links neben Ihnen herzutrotten, um sich auf ein scharfes Platz fallen zu lassen. Die Gründe dafür sind viele: Es gibt durchaus Hunde, die auf den Trainer hören, sich ausschließlich auf diesen konzentrieren und ohne ihn zurück in die Alltagsflegeleien verfallen. Es gibt aber auch viele Hundehalter, die nur dann, wenn das unerbittliche Trainerauge sie verfolgt, wirklich konsequent sind und sich gegen einen vierbeinigen Trotzkopf durchsetzen. Außerhalb des Hundeplatzes, ohne die Argusaugen des Lehrers, klingen die gleichen Kommandos dann eher lasch und die Durchsetzung ist Glückssache. So etwas merkt jeder Hund sofort und er merkt es sich lange. Und es gibt viele Menschen, die glauben, sie könnten ihren Hund täuschen: Sie arbeiten auf dem Platz mit dem lockenden Ball in der Tasche, mit köstlichen kleinen Leckerbissen, die vor seiner Nase duften und ihn zum korrekten Tempo an Ihrer Seite animieren. Sobald aber der Ball nicht in der Tasche ist, kein Leckerli als sofortige Belohnung winkt, schwindet die Hundelust am konzentrierten Bei-Fuß-Gehen, denn er hat das Kommando, die Durchführung und die Belohnung so eng miteinander verknüpft, dass eine fehlende Komponente bei ihm keinerlei Reaktion mehr auslöst. Böse meint er das nicht, im Gegenteil: Meistens handeln Hunde wesentlich konsequenter als wir Menschen. |
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Weiterhin viel Spaß auf unseren Webseiten - 21.04.2007 - © rooster |
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