VORSICHT GIFTPFLANZEN

von Dr. med. vet. Gisela Johanssen

Oft beobachtet man Katzen oder Hunde bei der Aufnahme von Pflanzen, vor allem von Gras. Warum sie dies tun, ist nicht sicher geklärt. Den Hunden sagt man nach, sie wollten damit den Magen „reinigen“. Bei der Katze sollen die pflanzlichen Fasern die Ausscheidung von Haarballen fördern und sie mit Vitaminen und Mineralien versorgen. Manche Katzen, vor allem reine Wohnungskatzen, fressen Pflanzen offenbar auch aus Langeweile oder Spieltrieb. Bei Katzen sind Vergiftungen durch Zimmerpflanzen weitaus häufiger als solche durch Garten- oder wild wachsende Pflanzen.

Werden Hund und Katze beim Fressen einer Giftpflanze beobachtet, kann die umgehende Injektion eines Brechmittels durch den Tierarzt eine Vergiftung verhindern. Die Symptome, die durch die Aufnahme giftiger Pflanzen hervorgerufen werden, betreffen in erster Linie den Verdauungskanal sowie Nervensystem und Kreislauf. Da es keine Gegengifte gibt, kann nur eine unspezifische Behandlung erfolgen: Magenspülung und Eingabe Giftbindender Substanzen (Verhinderung weiterer Giftaufnahme), Therapie von Herzrhythmusstörungen, atmungsanregende Mittel und gegebenenfalls künstliche Beatmung, Beruhigungsmittel oder Narkotika bei Krämpfen, Infusionen (Kreislaufstützung, beschleunigte Giftausscheidung).

 

Giftige Zimmerpflanzen

Zu den Wolfsmilchgewächsen (Euphorbien) gehören der weit bekannte Weihnachtsstern sowie Christusdorn und Wunderstrauch (Krotonpflanze). Die giftigen Inhaltsstoffe dieser Pflanzen befinden sich in ihrem Milchsaft. Seine Aufnahme führt zu starkem Erbrechen, Durchfall, Bewusstseinsstörungen und enden bisweilen tödlich.

Philodendron und Efeu können ebenfalls tödliche Vergiftungen hervorrufen. Neben einer Schleimhautreizung und starkem Speicheln treten als Vergiftungssymptome Teilnahmslosigkeit, Temperaturerhöhung, Nervosität und Zittern auf. Schließlich versagen Leber und Niere. Die wiederholte Aufnahme geringer Mengen summiert sich im Laufe der Zeit in ihrer Schadwirkung, so dass sich die Erkrankung über Monate hinziehen kann.

Als hauptverantwortlich für die Schadwirkung von Dieffenbachie und Kalla gelten nadelförmige Kalziumkristalle, die schon bei einer leichten Verletzung der Pflanzenzellen mit dem Zellinhalt herausschießen. Gelangen sie auf die Maulschleimhäute, kommt es zu Rötung und Schwellung, verbunden mit Juckreiz, brennenden Schmerzen und starkem Speichelfluss. Gelegentlich werden Atmung und Schlucken beeinträchtigt. Die Symptome können bis zu einer Woche andauern. Da sie sehr schnell einsetzen, werden kaum größere Mengen der Pflanzen aufgenommen. Schädigungen der Magen-Darm-Schleimhaut finden sich deshalb selten. Spritzt der Pflanzensaft ins Auge, sind Lidkrampf, massiver Tränenfluss und eine heftige Bindehautentzündung die Folge.

Die Topfazalee gehört zu den Rhododendrengewächsen und besitzt, wie die im Garten gepflanzten Ziersträucher, Giftstoffe in Blüten und Blättern. Sie bewirken zunächst wässrigen Augen- und Nasenausfluss, Brennen auf den Schleimhäuten, Erbrechen und Durchfall. Im weiteren Verlauf kommt es zu Blutdruckabfall, Bewegungsstörungen, Krämpfen, Lähmungen und schließlich zu Herzversagen.

Von den Primeln enthält die als Zimmerpflanze häufig anzutreffende Becherprimel das so genannte Primelgift Primin in höchster Konzentration. Sie wird daher auch Giftprimel genannt. Der Kontakt mit dem gelblich-grünen Sekret der Pflanze führt zu starker Reizung und Entzündung der Schleimhäute im Maul und Verdauungstrakt. Beim Menschen kann er eine als Primeldermatitis bezeichnete schwere Hautentzündung hervorrufen.

Das Korallenbäumchen (Korallenkirsche) ist ein Vertreter der Nachtschattengewächse. Die Giftstoffe, so genannte Steroidealkaloide, sind in allen Pflanzenteilen enthalten. Vergiftungen äußern sich durch Erbrechen, Kolik, Pupillenerweiterung und Kreislaufstörungen. In schweren Fällen tritt der Tod durch Atemlähmung ein.

Vorsicht ist auch bei Schnitt- und Wiesenblumenstraußen geboten. Narzissen (Osterglocken) rufen schwere Magen-Darm-Reizungen hervor, unter Umständen auch Krämpfe mit tödlichem Ausgang. Als Ziergrün werden oft die giftigen Pflanzen Zypressenwolfsmilch oder Schleierkraut verwendet. Zu den giftigen Wald- und Wiesenblumen zählen Buschwindröschen, scharfer Hahnenfuß (,‚Butterblume“), Tollblume, Leberblümchen und Rainfarn.

In der (Vor-) Weihnachtszeit sind in der Wohnung gehaltene Tiere durch Misteln und Nadelbäume gefährdet. Die Aufnahme von Misteln führt zunächst zu leichten Bewegungsstörungen und apathischem Verhalten. Nach Stunden zeigen die Tiere erweiterte Pupillen, Berührungsempfindlichkeit und verstärkten Harnabsatz. Ihre Körpertemperatur fällt ab, und es kommt zum Kreislaufversagen.

Die Giftwirkung der Nadelbäume beruht auf ihrem Gehalt an aromatischen Ölen. Sie führen zur Reizung der Schleimhäute im Maul- und Rachenbereich sowie im Magen-Darmtrakt. Die Tiere sind apathisch und verweigern längere Zeit die Futteraufnahme. Bereits das Trinken von Wasser, das mit den Nadeln in Berührung gekommen ist, kann Vergiftungserscheinungen auslösen (gleiches gilt für die Aufnahme von Wasser aus der Blumenvase).

Die Grünlilie ist zwar nicht direkt giftig für die Katze, doch enthalten ihre jungen Blätter halluzinogen wirkende Substanzen. Das ausgedehnte Kauen auf diesen Trieben kann hei der Katze einen chronisch gedämpften Zustand hervorrufen.

 

Giftige Zier- und wild wachsende Pflanzen

Auch in manchen Gärten und in der Natur findet man viele Pflanzen, die giftig sind. Vergiftungen durch diese Arten betreffen in erster Linie Hunde (wenn sie beispielsweise mit Zweigen spielen und darauf herum beißen) sowie Pflanzenfresser wie Pferd und Rind.

Hochgiftig sind alle Teile der Eibe mir Ausnahme der roten Samenmäntel (Scheinbeeren). Stark gefährdet sind Pferde, die schon nach dem Fressen kleiner Zweige sterben können. Vergiftungssymptome treten nach etwa einer Stunde auf: Erbrechen (Fleischfresser), Kolik, Herz- und Atemfrequenz zunächst beschleunigt, dann oberflächliche Atmung und Blutdruckabfall, schließlich Tod durch Atemlähmung.

Der ebenfalls stark giftige Goldregen weist den höchsten Giftgehalt in seinen reifen Samen auf, von denen schon einige wenige tödlich wirken. Nach Brennen im Maul- und Rachenbereich kommt es zu meist lang anhaltendem, blutigem Erbrechen, Lähmungen und zum Tod durch Atemlähmung.

Tödliche Vergiftungen durch den Buchsbaum kamen bei Tieren vor allem durch Verfütterung von Buchsbaumheckenschnitt vor. Erste Vergiftungsanzeichen sind Erbrechen, Durchfall und starke Krämpfe. Der Tod tritt durch Kreislaufversagen und Atemlähmung ein. Ähnliche Symptome finden sich bei einer Vergiftung durch Färberginster.

Der Oleander enthält wie Fingerhut und Adonisröschen herzwirksame Stoffe. Sie bewirken zunächst eine Reizung des Magen-Darm-Traktes mit Erbrechen und Durchfall, gefolgt von Herzrhythmusstörungen, verlangsamtem Puls und Atemnot. Bereits wenige Stunden nach der Aufnahme kann der Tod durch Herzstillstand eintreten.

Die Nachtschattengewächse sind die bedeutendste einheimische Giftpflanzenfamilie. Bittersüßer und Schwarzer Nachtscharten (giftig vor allem unreife Beeren) verursachen nicht selten Erkrankungen hei Pferden und Rindern. Als Symptome finden sich Durchfall, Lähmungen, auch Krämpfe und zuletzt Atemlähmung. Zu dieser Familie gehören auch der Stechapfel, der Virginische Tabak sowie Kartoffel und Tomate. Die Kartoffelknolle enthält ebenso wie die ausgereifte Tomate Giftstoffe nur noch in winzigen Spuren. Gefährlich ist dagegen die Verfütterung von verschimmelten oder keimenden Kartoffeln oder größerer Mengen frischen Kartoffelkrautes.

Der Sumpfschachtelhalm kann bei Pferden die so genannte Taumelkrankheit hervorrufen. Sie äußert sich in Erregbarkeit, Zuckungen, besonders der Gesichtsmuskulatur, taumelndem Gang bis Hinstürzen und gegebenenfalls Verendung durch Erschöpfung. Die Erkrankung ist vermutlich auf die Zerstörung des Vitamins B1 zurückzuführen.

Als weitere giftige Pflanzen sind zu nennen: Zwergholunder (Attich), Robinie (falsche Akazie), Seidelhast (Daphne), Tollkirsche, Spindelbaum (Pfaffenhütchen), Feuerbohne (rohe Fruchtschalen und Samen), Gartenwolfsmilch, Gemeine und Wiesenküchenschelle, Rizinussamen, Rittersporn, Eisenhut, Hyazinthe, Schneeglöckchen, Maiglöckchen, Lupine, Weißer Gemer, Gefleckter Schierling, Adlerfarn, Wurmfarn, Herbstzeitlose, Schöllkraut, Adonisröschen, Hundspetersilie, Aufrechte Osterluzei (besonders giftig für Pferde).

weitere Info: www.geliebte-katze.de/pflanzen/

 

Weiterhin viel Spaß auf unseren Webseiten - 21.04.2007 - © rooster

 

| zurück | zurück zur Übersicht | zurück zum Seitenanfang