Neue Westfälische

Seit 2000 sind wir Mitglied in der Tierrettung Herford e.V. Über unsere Aktivitäten für den Verein berichtete die Presse am 23. April 2001:

Ulrike Imort betreibt die erste offizielle Pflegestelle für Wasserschildkröten im Kreisgebiet

Tropische Temperaturen im Keller

VON IRINA KURSCHEL

Löhne. Im Keller sind die Tropen. 28 Grad Lufttemperatur, 24 Grad Wassertemperatur. Ein Klima, in dem sich Kröti und Köhlwalder, Elfriede, Cleo, Randy und Bart so richtig Zuhause fühlen. "Wasserschildkröten sind Exoten, die eigentlich in ihre Heimatländer gehören", findet Ulrike Imort. Sie betreibt in ihrem Haus im Namen der Tierrettung Herford die erste offizielle Pflegestelle für Wasserschildkröten im Kreisgebiet.

"Viele der gepanzerten Reptilien kommen ursprünglich aus Südamerika, einige aus Mittelamerika. Da sind die Tiere an ganzjährig warmes Klima gewohnt", erklärt die tierbegeisterte Löhnerin, die in ihrem Haus außerdem noch einen Hund und mehrere Katzen beheimatet.

Seit fünf Jahren päppelt Ulrike Imort gefundene oder abgegebene Wasserschildkröten auf, um sie dann an verantwortungsvolle Halter weiter zu vermitteln. Sie ist mit der Zeit zur absoluten Expertin geworden, wenn es um die Haltung, Pflege und Lebensgewohnheiten der Exoten geht. "Einige Haltungsvorschläge gehören ins Reich der Märchenwelt", ärgert sie sich. Zum Beispiel, dass die "Schildkrötensaison" jetzt schon begonnen habe: "Das höre ich oft von den Verkäufern in Zoo-Handlungen. Aber draußen im Teich ist es jetzt noch viel zu kalt. Die Tiere holen sich sofort eine Lungenentzündung, die unbehandelt zum Tode führt." Fast alle Wasserschildkröten in der Pflegestelle kamen mit einer Lungenentzündung oder Erkältung bei Ulrike Imort an.

Ein anderes folgenschweres Gerücht sei ebenso falsch: Eine Schildkröte würde nicht so stark und schnell wachsen, wenn sie in einem kleinen Terrarium aufwächst. "Das funktioniert vielleicht bei Aquariums-Fischen. Bei Schildkröten ganz sicher aber nicht. Ein Käufer muss sich darüber im Klaren sein, dass das possierliche Tierchen in einigen Jahren zu einer Schildkröte heranwachst, das so groß ist wie eine Tortenplatte", betont Ulrike Imort.

Von Weibchen ist Bart sofort Feuer und Flamme

Das kann sie auch anschaulich demonstrieren. In ihrem Badezimmer erholt sich gerade die winzige, kaum zweimarkstückgroße "Baby Rosanne" von einer schweren Erkältung. Unten im Becken schwimmt Rotwangenschildkröte "Kröti", ein strammer Bursche mit mehr als zwei Kilo Gewicht. "Er ist zur Zeit der Größte hier, aber trotzdem immer noch halbwüchsig. Er wird noch ein ganzes Stück größer", so Ulrike Imort. Schildkröten werden sehr alt, bei guter Haltung sind 50 Jahre der Durchschnitt. Es ist sogar möglich, dass das Reptil seine Halter überlebt.

Ulrike Imort kennt die Eigenarten ihrer zur Zeit sieben gepanzerten Mitbewohner ganz genau. Da ist zum Beispiel Bart: " Er ist der Hauptgrund, warum es ein eigenes Becken für die Männchen und eins für die Weibchen gibt. Bart ist sexbesessen", lacht Ulrike Imort.

Die Geschlechterbestimmung neuer Kröten sei dadurch allerdings denkbar einfach geworden. "Ich brauche sie nur zu Bart ins Becken zu setzen. Wenn es ein Weibchen ist, ist er sofort Feuer und Flamme. Ich muss mich dann nur beeilen, sie schnell wieder rauszuholen", schmunzelt die engagierte Tierschützerin.

Manchmal setzt sie sich abends einfach in den Keller und schaut ihren Schützlingen beim Paddeln, Luftschnappen und Sonnenbaden auf der ständig beleuchteten Terrasse im Becken zu. "Das ist herrlich beruhigend", so Ulrike Imort.

Die Becken und das Zubehör wurden von dem Löhner Tierschützer Horst Hahn gespendet. Auch er ist Mitglied der TierRettung Herford e.V.. Die Anlagen unterliegen der regelmäßigen Aufsicht durch den Kreisveterinär, der die Pflegestelle auch genehmigt hat. Die Wasserfilter müssen gereinigt werden, einmal pro Woche wird das Wasser abgelassen und das Becker desinfiziert. Das dauert vier Stunden.

Wenn es wärmer ist, sollen die Schildkröten die Sommermonate draußen im Gartenteich ver-bringen. Aber auch dabei ist einiges zu beachten. "Der Teich muss komplett eingezäunt werden. Schildkröten sind Kletter-künstler und können gewaltige Strecken zurück legen", weiß Ulrike Imort.

Damit sich die Tiere an die Umstellung leichter gewöhnen können, werden sie von Ulrike Imort langsam darauf vorbereitet. In Etappen wird die Wasser-temperatur dazu im Becken abgesenkt, probeweise werden die Schildkröten dann auch für kurze Zeit in den Teich entlassen. Zum Abhärten.

Genauso ernst, wie sie selbst die Haltung der Tiere nimmt, nimmt Ulrike Imort auch die Vermittlung. "Die Bedingungen müssen stimmen", betont sie. Sie selbst überzeugt sich vor Ort davon. Gern hilft sie auch, wenn die neuen Halter noch wenig Erfahrung haben.

Wer Interesse hat, kann sich mit den Tierfreunden der TierRettung am 3. Mai um 20 Uhr in der Tennishalle Gut Bustedt zum Schildkrötenstammtisch treffen.

Noch mehr Bilder aus der Pflegestelle sehen sie hier

Weiterhin viel Spaß auf unseren Webseiten - 19.12.2005 - © rooster

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